Aktuelles

15. Oktober 2017

Vorstellung der Resilienzspiele

ForChange präsentierte auf der Münchner Klimaherbst Dult seine Resilienzspiele

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4. August 2017

Best Paper Proceedings des 77. Annual Meetings der Academy of Management

ForChange Forschungsergebnisse wuden präsentiert

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31. Mai 2017

ForChange Spiele-Labor: Arbeit und Gesellschaft im Wandel

ForChange Veranstaltung im Rahmen der 11. Münchner Hochschultage

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17. Mai 2017

Märkte: Zukunftsfähiges Erfolgs- oder überholtes Auslaufmodell?

Vortrag und Podiumsdiskusssion an der Universität Augsburg

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5. Mai 2017

Psychosozialer Wandel durch neue Medien

Tagung an der Universität Würzburg

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10. April 2017

Wissenschaftskommunikation im Zeitalter sozialer Medien

Veranstaltung zur Verwendung sozialer Medien in der Wissenschaft

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Reflexive Politikberatung

Reflexive Politikberatung
Wandel erforschen und gestalten
Prof. Dr. Christoph Weller
Charlotte Rungius, M.A.
Universität Augsburg, Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens und Konfliktforschung

Projektposter

WIE KANN DEUTSCHE AUSSENPOLITIK ZU GLOBALEN PROBLEMLÖSUNGEN BEITRAGEN?

Um globale Herausforderungen bearbeiten zu können, sind außenpolitische EntscheiderInnen auf handlungsrelevantes Wissen angewiesen. Solches Wissen kommt unter anderem im Austausch mit wissenschaftlichen PolitikberaterInnen zustande. Damit sind Prozesse wissenschaftlicher Politikberatung auf unterschiedliche Weise am Zustandekommen außenpolitischer Entscheidungen beteiligt.

Allerdings führt „mehr Wissen“ nicht zwangsläufig zu einem besseren Umgang mit Problemlagen oder gar zu unmittelbaren Lösungen. Wissen schränkt Perspektiven auch ein, indem es die Wahrnehmung und Beschreibung von Problemen und Lösungswegen vorstrukturiert. Dementsprechend kann Politikberatung anhand etablierter Wissensbestände und Überzeugungen auch dazu führen, dass Ursachen nicht erkannt werden, Probleme sich verfestigen und neue, aber möglicherweise bessere Wege nicht beschritten werden. Solche Denkblockaden will Reflexive Politikberatung aufbrechen.

WAS HAT REFLEXIVE POLITIKBERATUNG MIT WANDEL ZU TUN?

Gesellschaftlicher Wandel besteht nicht erst in beobachtbaren Veränderungen von sozialen Umständen, sondern beginnt bereits bei einer veränderten Betrachtungsweise von sozialen Zusammenhängen. Daher fragen wir im Sinne der reflexiven Politikberatung: Wie können unhinterfragte, vermeintlich gesicherte Wissensbestände aufgedeckt werden, die möglicherweise selbst zu einer Problemlage beitragen oder sie gar verschärfen? Wie können Beratungsstrukturen gestaltet werden, damit eine solche Reflexion aktueller Problem- und Krisenbeschreibungen in der deutschen Außenpolitik möglich wird?

 WAS WOLLEN WIR HERAUSFINDEN?

In diesem Forschungsprojekt untersuchen wir daher die Frage: Welche Rolle spielt wissenschaftliche Politikberatung in der deutschen Außenpolitik und wie wird in den entsprechenden Beratungsprozessen mit Wissen umgegangen? Wird die Entstehung von Wissen als offen, ungesichert und wandelbar reflektiert? Welche Formen der Politikberatung sind diesem Verständnis von Wissen angemessen?

 WIE GEHEN WIR VOR?

 Wir führen Interviews und veranstalten Workshops mit PolitikerInnen und BeraterInnen, in der die Frage nach der Rolle von Politikberatung in der deutschen Außenpolitik thematisiert wird. Darüber hinaus untersuchen wir auch Selbstbeschreibungen von Politikberatung und verfolgen systematisch die Diskussionen über die Beiträge der deutschen Außenpolitik zu globalen Problemlösungen und die daraus resultierenden (veränderten) Anforderungen an Politikberatung in der deutschen Außenpolitik.

 WAS IST REFLEXIVE POLITIKBERATUNG?

Reflexive Politikberatung bedeutet, die Umstrittenheit und Unsicherheit von Wissen und das Nicht-Wissen unmittelbar in den Beratungsprozess mit einzubeziehen. Weit verbreitete Annahmen, herkömmliche Problembearbeitungen oder etablierte Perspektiven werden in Frage gestellt. Zugleich bedeutet das, die selbst mitgestalteten wissenschaftlichen Beratungsprozesse reflexiv zu halten, also bewusst mit der eigenen Eingebundenheit in etablierte Erkenntnis- und Wissensstrukturen umzugehen.

Wir bezeichnen mit Reflexiver Politikberatung kein Beratungsmodell, sondern einen ständig veränderlichen Prozess des Umgangs mit Wissen, Unsicherheiten und Wissens-Kommunikation. Das Konzept "Reflexive Politikberatung" nimmt in diesem Projekt also die Rolle einer Forschungsperspektive ein.

 FORSCHUNGSPERSPEKTIVE

Diese Forschungsperspektive beruht auf der sozialkonstruktivistischen Auffassung, dass Wissen ein Ergebnis von sozial vermittelten Herstellungsprozessen ist. Wir gehen also nicht von einer eindeutig beobachtbaren Wirklichkeit aus, die nur noch von schlauen Menschen erkannt werden müsste, sondern dass Wissen über „Realität“ in der menschlichen Wahrnehmung und dem sprachlichen (symbolischen) Austausch dieser Wahrnehmungen entsteht, die Welt also sozial konstruiert wird.

WELCHE ROLLE SPIELT WISSEN IN DER AUSSENPOLITIK?

Wissen ist eine Voraussetzung, um zwischen verschiedenen außenpolitischen Handlungsoptionen auswählen zu können. Unterschiedliche Situationsbeschreibungen eröffnen allerdings unterschiedliche Optionen. Manche bieten einen weiten Handlungsspielraum, manche zwingen hingegen zu ganz bestimmten Handlungen.

Gerade die internationale Politik ist geprägt von unterschiedlichen, zum Teil gegensätzlichen Situationsbeschreibungen über die Welt. Zahlreiche internationale Konflikte basieren darauf, dass Staaten globale Probleme unterschiedlich wahrnehmen und unterschiedliche Konsequenzen für ihr Handeln ableiten. Dies zu reflektieren eröffnet neue Gestaltungsmöglichkeiten.

WAS KÖNNTE RESILIENZ IN DER AUSSENPOLITIK BEDEUTEN?

Resilienz ist in den Sozialwissenschaften ein noch neues und umstrittenes Konzept. Resilienz verstanden als Widerstandsfähigkeit und/oder Anpassungsfähigkeit erfordert die Bestimmung einer Identität oder eines erwünschten Zustands. Dies ist bezogen auf soziale Systeme jedoch stets ungewiss und Gegenstand politischen Streits.

Vor diesem Hintergrund können auch SozialwissenschaftlerInnen keine abschließend resilienten Lösungen anbieten. Aber der Umgang mit politischem Streit, gegensätzlichen Situationsbeschreibungen und konkurrierenden Lösungsansätzen kann mehr oder weniger resilient vonstatten gehen.

Insofern bedeutet Resilienz aus unserer Sicht vor allem Offenheit für alternative Deutungsangebote und eine reflexive Wissens-Kommunikation. Gerade die globalen Problembeschreibungen in der Außenpolitik erfordern hohe Lern- und Anpassungsfähigkeit, um gestaltungsfähig zu sein. Kann Reflexive Politikberatung einen Beitrag dazu leisten?